(Quelle: Mannheimer Morgen, 14.10.2006)
Da geht jedem Lokalpatrioten das Herz auf
Lehrreich und lustig, aber nicht unkritisch: die „Schatzkistl“-Revue zum Stadtjubiläum
Peter W. Ragge. Gleich nach dem ersten Titel bricht der Beifall los, und es gibt „Bravo“-Rufe, schon beim zweiten Lied singen einige im Publikum einfach mit, und nach zwei Stunden reichen vielen Zuschauern zwei Zugaben nicht: Begeisterte Reaktionen gab es für die erste Kulturproduktion zum Stadtjubiläum, „Alla gut – Verliebt ins Quadrat“, die jetzt im Musikkabarett „Schatzkistl“ Premiere hatte.<br /><br />
Joana hat sich „einfach köstlich amüsiert“, Hans-Peter Schwöbel fand es „klasse“, Bernhard Kaiser „super, einfach traumhaft“ – ihre Titel finden sich ebenso wie viele andere beliebte Mannheimer Lieder jeweils in der revueartigen Aufführung, die sich zwar Komödie nennt, aber wesentlich mehr ist. Eingebettet in eine hübsche Rahmenhandlung vom in die Theaterputzfrau verliebten Briefträger wird in dem nach einer Idee von Peter Baltruschat entstandenen, von Oliver Hoffmann geschriebenen sowie von Kulturamt und Vetter-Stiftung mitfinanzierten Stück auf unterhaltsame Art viel Wissen über Mannheim vermittelt. Die schlagfertige „Raumkosmetikerin“ Regina Steegmüller und Postbote Hugo Steegmüller bringen dem genervt-naiv-arroganten Pianisten Eckhard Stadler nämlich bei, warum es heißt: „Es gibt nur ä Deitschland, un des is Mannem.“<br />
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Hans-Dieter Willisch hat das sehr liebvoll in Szene gesetzt – bis hin zu so hübschen Details, dass die Thermoskanne die Form des Wasserturms hat. Mal gibt es anrührende Szenen, zwischendurch bekommt man Tränen in die Augen vor Lachen – es ist einfach herrlich-köstlich, wenn Regina Steegmüller mit unnachahmlicher Mimik als Ballerina auftritt, Schiller rezitiert oder ein Tanzmariechen parodiert. Zwar geht jedem Lokalpatrioten an diesem Abend das Herz auf, und doch ist das Programm keine blinde, oberflächliche Liebeserklärung an Mannheim. Ob es um die Fasnacht geht („Da ist die Kritikfähigkeit der Mannheimer gleich null), das neue Stadt-Logo, zu viele Feste am Wasserturm oder dass die Stadtväter einst die BASF haben über den Rhein ziehen lassen – mehrfach klingeln (selbst-) kritische Töne an, und liebevoll wie respektlos zugleich, wie die Mannheimer eben sind, wird Xavier Naidoo mal eben zum „Messias mit Wollkapp“.<br />
Zudem singen die Steegmüllers die Mannheimer Hits nicht einfach nur nach, nein, es ist durchaus eine eigene Interpretation vieler Titel. Sehr poetisch-leise erklingt „Ich lieb diese Stadt“, ganz anders der „Neckarbrückenblues“, noch rappiger als beim Original Chako Habekosts „Palatinos“. Am Ende stimmen alle mit ein: „Oh, Mannem is schää“, und der davon nun endlich auch überzeugte, vorher so skeptische Pianist schreibt prompt ein schönes Mannheim-Liebeslied: „Unsere Stadt, die hat tausend Gesichter“.<br />
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